Chinesische Kräuter gegen ADHS – ist TCM wirklich eine Alternative?

Meist sind es Stimulantien, die bei ADHS verschrieben werden. Sie gelten als äußerst wirksam. Doch weil sie dem Betäubungsmittelgesetz unterliegen, schrecken viele erst einmal vor ihnen zurück und suchen nach Alternativen, etwa Traditionelle Chinesische Medizin (TCM). Und tatsächlich wartet auch die fernöstliche Heilkunde mit Wirkstoffen auf, die möglicherweise positive Effekte haben – bei vergleichsweise wenigen Nebenwirkungen. Schon 2009 kam in China die pharmazeutische Metastudie »Attention deficit hyperactivity disorder in children: comparative efficacy of traditional Chinese medicine and methylphenidate« zu dem Schluss, dass TCM gleich gut oder gar besser wirke als die Standardmittel. Ein US-Forschungsteam sah dies elf Jahre später in »Non-pharmacologic management of attention-deficit/hyperactivity disorder in children and adolescents: a review« ähnlich, zumindest bei Kindern mit ADHS. Zwar reichen für eine tatsächliche Empfehlung die zugrunde liegenden Daten bislang nicht aus. Gleichwohl setzen auch manche Ärztinnen und Ärzte in Europa die asiatischen Rezepturen inzwischen ein, zumindest ergänzend zur Unterstützung, nicht ausschließlich.

Warum sehen TCM viele skeptisch bei ADHS?

ADHS gilt in der Traditionellen Chinesischen Medizin als ein »Ungleichgewicht von Yin und Yang«. Das »Nieren-Yin« könne mit der »in Reiswein gedämpften Wurzel des Klebigen Chinafingerhuts« gestärkt, die Aufmerksamkeit mithilfe des »Kleinen Fettblattes« erhöht werden. Das hört sich für viele erst einmal ungewohnt, vielleicht sogar esoterisch an. Hinzu kommt: Die Kräuterextrakte sind häufig nicht als »echte« Medikamente im Handel, sondern als Nahrungsergänzungsmittel; nur wenige sind apothekenpflichtig. Die Unsicherheit ist daher groß. Zu wenig noch weiß man hierzulande über die jahrtausendealte Medizintradition aus dem Reich der Mitte.


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