ADHS-Therapie per App

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat mit »Oriko« die erste sogenannte Digitale Gesundheitsanwendung für Erwachsene mit ADHS zugelassen. Die Kosten für die App werden von den gesetzlichen und einigen privaten Krankenkassen übernommen. Betroffene lassen sich dafür entweder ein Rezept von ihrer Ärztin oder ihrem Arzt geben oder kaufen die Vollversion selbst und erhalten die knapp 480 Euro dann zurück – gesicherte ADHS-Diagnose vorausgesetzt. Oriko steht für Ordnung im Kopf.

Wie funktioniert digitale Psychotherapie?

Wie in einer »normalen« Kurzzeittherapie nimmt die interaktive Anwendung Neurodivergente zwölf Wochen lang an die Hand, vermittelt audio- und videounterstützt Methoden, Übungen und Wissen. Die digitale Psychotherapie wurde mit Fachleuten aus Psychologie und Medizin entwickelt und soll insbesondere die langen Wartezeiten auf einen »echten« Therapieplatz überbrücken. Sie eigne sich aber ebenso therapiebegleitend oder ganz unabhängig davon, sagen die Macher: »Die Inhalte wurden nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen entwickelt. Dabei standen ein patientenzentrierter Aufbau und eine anwenderfreundliche Nutzung besonders im Fokus, weshalb auch ADHS-Betroffene bei der Entwicklung beteiligt waren«, erläutert Prof. Dr. Anne Karow, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie und Mitgründerin des Hamburger Start-ups »Mindnet«, das die App technisch umgesetzt hat. Eine wissenschaftliche Studie belegt ihre Wirksamkeit. Weitere müssen noch folgen. Denn die BfArM-Zulassung ist zunächst nur vorläufig.

Die einzelnen Module beschäftigen sich mit den typischen ADHS-Symptomen, unter Überschriften wie »Den Fokus halten: Aufmerksamkeit und Konzentration fördern«, »Meine Energie nutzen: Mit innerer Unruhe, Ungeduld und Nervosität (Hyperaktivität) umgehen« und »Selbstfürsorge stärken: Selbstfürsorge im Alltag und Selbstwert stärken«. Wenn gewünscht erinnert die App auch daran, wenn es Zeit für die Medikamente ist. Und ihre Tagebuchfunktion soll dabei helfen, die Behandlungserfolge zu messen.