Die Wahrscheinlichkeit, eines nicht natürlichen Todes zu sterben, ist mit ADHS deutlich erhöht. Das belegen mehrere wissenschaftliche Studien unabhängig voneinander. Grund sind nicht nur die schweren Unfälle, die gehäuft auftreten, weil insbesondere die Impulskontrolle vieler Betroffener eingeschränkt ist. Dr. Shihua Sun vom renommierten Karolinska-Institut in Stockholm wies vielmehr ein fast neunfach erhöhtes Sterberisiko durch Suizid nach. Damit verglichen ist die Wahrscheinlichkeit, tödlich zu verunglücken, für Menschen mit ADHS relativ gering: nämlich »nur« viermal höher als im Durchschnitt. Laut Studie besteht für Neurodivergente außerdem ein sechsmal höheres Risiko dafür, Opfer eines Gewaltverbrechens zu werden.
Sind nicht immer Depressionen Grund für einen Suizid?
Der Epidemiologe und sein Team widerlegten damit bereits 2019 das Vorurteil, dass als medizinische Ursache einer Selbsttötung ausschließlich Depressionen infrage kommen können. Denn die Hälfte der rund 86.000 Menschen mit ADHS-Diagnose hatten keine weiteren »typischen« Erkrankungen, also auch keine Depressionen. Anzunehmen ist, dass Menschen, bei denen ADHS noch gar nicht festgestellt wurde und die im schlimmsten Fall wegen einer psychischen Erkrankung – wie eben Depressionen – erfolglos behandelt werden, ein noch weitaus höheres Risiko in sich tragen, »freiwillig« aus dem Leben zu scheiden. Und auch wer eine Depression als Folgeerkrankung einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung entwickelt, fällt durchs Raster. Denn bei einem Suizid gilt automatisch die Depression als Auslöser, nicht die Neurodivergenz.



