Der perfekte Urlaub mit ADHS?

Das ADHS-Journal geht bis zum 8. September in die Sommerpause. Wir verabschieden uns mit einer naheliegenden Frage: Gibt es eigentlich den perfekten Urlaub für Menschen mit ADHS? Ein Ziel, das jede und jeden gleichermaßen begeistert und glücklich macht?

»Nein, natürlich nicht. Das ist doch vollkommen individuell!«, dürften die meisten hier spontan einwenden. Die Ergebnisse mehrerer wissenschaftlicher Studien zeigen allerdings, dass es sie tatsächlich gibt: Regionen, die für die meisten ADHS-Betroffenen viel besser geeignet sind als andere, um die Ferien dort zu verbringen. Genauer: Urlaub in der Natur ist das Mittel der Wahl. Das jedenfalls besagt die Attention Restoration Theory (Aufmerksamkeits-Erholungs-Theorie) von Rachel und Stephen Kaplan. Die Professorin und der Professor für Umweltpsychologie an der University of Michigan hielten dafür bereits in den 1980er-Jahren glühende Plädoyers. Weitere psychologische und medizinische Forschungsarbeiten bestätigten ihre bis heute kontrovers diskutierten Kernthesen später mehrfach unabhängig voneinander.

Was macht die Natur zum idealen Urlaubsort bei ADHS?

Tief im Wald, an einem weiten, klaren See oder gar in der Wildnis kann das Gedankenkarussell eher zum Stillstand kommen als bei einer allzu streng durchgetakteten Städtereise mit neuen plötzlichen Reizen an buchstäblich jeder Ecke. Das im Alltag oft überreizte Nervenkostüm wird sanft eingebremst; Abgeschiedenheit, frische Luft und Naturklänge werden zu Balsam für Seele und Hirn. Mit ADHS funktioniert das sprichwörtliche »Runterkommen« hier in der Regel erheblich besser als am überfüllten Büfett in einer lauten Bettenburg. Dabei ist man im Grünen mitnichten zum Nichtstun verdammt. Bestimmte Formen von Aktivurlaub sind durchaus empfehlenswert: Wandern, Bergsteigen oder ausgeprägte Roadtrips können ebenso das Belohnungssystem aktivieren und für Dopaminausschüttungen sorgen, ein Survivalkurs im Nirgendwo selbstverständlich auch. Gut zu wissen: Schon ein 20-minütiger Spaziergang im Grünen kann ADHS-Symptome lindern. Das wiesen zum Beispiel die Psychologinnen Prof. Dr. Frances Kuo und Prof. Dr. Andrea Faber Taylor in ihrer Studie an der University of Illinois nach.


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