ADHS-Verschlimmerung in den Wechseljahren

Nicht selten erfolgt jetzt erst die Diagnose. Denn wenn der Östrogenspiegel vor der Menopause sinkt, hat das direkte Auswirkungen auf andere Hormone, zum Beispiel auf das bei ADHS entscheidende Dopamin. Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafstörungen und Probleme mit der Impulskontrolle können die Folge sein. Bei besonders starker Ausprägung begreift so manche Frau in dieser Phase schlagartig, dass eine bislang nicht diagnostizierte Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung dafür durchaus eine Ursache sein könnte. Und viele, die von ihrer ADHS bereits gewusst haben, klagen, dass sich die Symptome erheblich verstärken oder nach ihrer Kindheit und Jugend nun wieder neu auftreten, nachdem sie als Erwachsene seit Jahrzehnten Ruhe gehabt hatten.

Können sich Wechseljahrbeschwerden und ADHS-Symptome gegenseitig verstärken?

Wissenschaftlich konnte der Zusammenhang schon vor Jahren nachgewiesen werden. Jüngst wurde er am Londoner King’s College noch einmal bestätigt. Dies, so fordert die Studienleiterin, Prof. Dr. Ellie Dommett, müsse endlich Auswirkungen darauf haben, »wie Frauen in dieser Zeit sowohl im Hinblick auf ADHS als auch auf die Wechseljahre unterstützt werden«. Doch die Wechselwirkung wird von Ärztinnen und Ärztin oft einfach nicht gesehen, geschweige denn berücksichtigt. Dabei könnte eine gezielte ADHS-Behandlung die Beschwerden vieler Frauen in dieser Zeit erheblich lindern. Stattdessen werden meist lieber Hormone verabreicht – mit bei ADHS dann natürlich eher mäßigem Erfolg trotz der durchaus nicht unerheblichen Nebenwirkungen.