Mit Schach gegen ADHS

Schach fördert die Konzentration, trainiert das Arbeitsgedächtnis, lässt Spielerinnen und Spieler strategisch, also vorausschauend planen und stärkt die Impulskontrolle. Denn wer gewinnen will, muss stets erst gründlich nachdenken und darf nicht einfach drauflosziehen! Das erfordert Selbstdisziplin und strategisches Denken, trainiert also vorausschauendes Planen – Herangehensweisen, die mit ADHS keine Selbstverständlichkeit sind. In einem Verein gespielt, kann Schach zudem zur sozialen Integration beitragen. Und besonders bemerkenswert: Nicht nur Betroffene des vorwiegend unaufmerksamen, sondern auch des hyperaktiven Typs profitieren, können plötzlich für längere Zeit einfach still dasitzen, ganz vertieft in ihre Partie.

Schon 2015 wies der Psychiater Dr. Dr. Hilario Blasco-Fontecilla in einer wissenschaftlichen Studie bei Kindern mit gesicherter ADHS-Diagnose signifikante positive Effekte durch Schachtraining nach. Ähnliche Untersuchungen bestätigen dies grundsätzlich. Schachprofi Neilay Krishna Agarwal, High School Senior an der Gems Modern Academy in Dubai, hat sie ausgewertet und kommt in seiner zusammenfassenden Analyse zu dem Schluss: »Aufgrund seiner Wirksamkeit, seines spielerischen Charakters, seiner hohen Adhärenz und seiner geringen Kosten kann Schach als therapeutisches Instrument im Rahmen einer multimodalen Behandlung zur Verbesserung von ADHS-Symptomen eingesetzt werden.« Das bedeutet: Eine Therapie ersetzt Schach natürlich nicht.

Ist Schach nicht viel zu kompliziert mit ADHS?

Natürlich bringt Schach auch Herausforderungen mit sich: Die Regeln sind komplex und können daher durchaus überfordern. Erste wirkliche Erfolgserlebnisse gibt es in der Regel erst nach Wochen. Um das zu beschleunigen, ist es oft sinnvoll, sich eine der vielen kostenlosen Schach-Apps aufs Handy zu laden. Die sind meist so programmiert, dass man möglichst schnell auf Gleichgesinnte mit ähnlicher Spielstärke trifft. Denn ihre Algorithmen sind schon nach wenigen Zügen in der Lage, sie näherungsweise zu ermitteln. Taktikaufgaben (früher »Problemschach« genannt) eignen sich ebenfalls wunderbar fürs Training. Das ist dann Schach in ganz kleinen Häppchen – perfekt in einem überfüllten Wartezimmer oder sogar in der langen Schlange vor der Supermarktkasse. Wie im Schachverein vor Ort müssen Anfängerinnen und Anfänger also nicht »befürchten«, wie ein Großmeister gleich mehrere Stunden am Stück spielen zu »müssen«.