Survival Guide für Erwachsene mit ADHS

ADHS-Ratgeber gibt es inzwischen viele, die meisten für Kinder und Eltern. »Der ADHS-Survival Guide«, Beltz Verlag, ist erfrischend anders. Jesse J. Anderson, mit erst 36 selbst diagnostiziert, präsentiert darin »40 Strategien für einen produktiven Alltag«, wie er es nennt. Und die unterscheiden sich von so manchen altbekannten teilweise erheblich, sind dafür aber umso vielversprechender. Kostprobe: »Mach das Geschirrspülen interessant« – etwa dadurch, dabei und nur dabei die eigene Lieblingsmusik oder einen interessanten Podcast zu hören, um sich somit auch auf solche langweiligen Aufgaben freuen zu können. Oder: »Heb dir die lustigen Aufgaben nicht bis zum Schluss auf. Nutze sie, um dich aufzuraffen.« Sprich: »Iss zuerst das Eis, nicht den Frosch!«

Mit welchen einfachen Strategien können sich ADHSler motivieren?

Besonders schön ist sicher dieser Tipp: »Lege eine Ta-da!-Liste an!« – also eben nicht eine To-do-Liste mit unerledigten Aufgaben und entsprechend einschüchternder Wirkung. »Der Sinn deiner Ta-da!-Liste besteht nicht darin, andere zu beeindrucken, sondern dir dabei zu helfen, in die Gänge zu kommen und das aufregende Gefühl des Vorankommens zu spüren«, erklärt Jesse J. Anderson in seinem Ratgeber. »Was mich betrifft, zählen auch die Basics: Habe mich komplett angezogen. Habe geduscht. Habe Kaffee gemacht.« Klingt albern, ist aber für ein typisches ADHS-Gehirn durchaus effektiv!

Selbstironisch-humorvoll räumt der Autor mit so manchem Vorurteil auf: »Ich hatte ADHS bislang mit hyperaktiven Jungs assoziiert, die nicht still sitzen oder sich nicht länger als zwei Sekunden konzentrieren können«, schreibt er. Und nein, Menschen mit ADHS haben im Prinzip gar kein Problem damit, sich zu konzentrieren; es müsse eben nur etwas Interessantes sein! Beim Motivieren sei es ganz ähnlich. Denn: »Wenn etwas wichtig für dich ist, wirst du es tun.« Klingt trivial, bringt ADHS aber eben auf den Punkt! Entsprechend widmet er sein Buch allen, »denen man eingeredet hat, sie wären bloß faul«. Das dürfte vielen aus der Seele sprechen.