Eine frühe ADHS-Diagnose ist für betroffene Kinder und Jugendliche ein wahrer Segen, weil sie dann zielgerichtet behandelt und gefördert werden können. Der lange Leidensweg vieler Erwachsener mit lange unerkannter Neurodivergenz bleibt ihnen erspart – sollte man meinen! Das Problem: Zwar ist die medizinische Versorgung von Minderjährigen mit ADHS recht engmaschig. Aber spätestens mit 18 endet für viele die Therapie ziemlich abrupt. Denn weil sie jetzt volljährig sind, ist ihre Kinderärztin oder ihr Kinderarzt schlichtweg nicht mehr für sie zuständig und verschreibt ihnen somit natürlich auch keine Medikamente mehr. Ihre ADHS aber ist damit ja nicht weg. Im Gegenteil!
Bleibt ADHS ein Leben lang?
50 bis 80 Prozent werden die sogenannte Störung nie mehr los. ADHS ist eben keine Kinderkrankheit, wie heute immer noch viel zu viele glauben. Die Folge: Kinder- und Jugendpsychologen sind häufig nur unzureichend mit Therapeutinnen und Therapeuten für Erwachsene vernetzt, Hausärzte unterschätzen die Brisanz, verschreiben wenn überhaupt erst mit Verzögerung Medikamente, und Psychiater, die sich mit ADHS bei Erwachsenen auskennen, sind weiterhin rar gesät.
Eine wissenschaftliche Studie belegte diese Misere bereits vor fünf Jahren und schlug konkrete Schritte vor, um gegenzusteuern, insbesondere bessere Rahmenbedingungen für Medizinerinnen und Mediziner an der Schnittstelle zwischen Jugend- und Erwachsenenmedizin: »Transition Care« heißt das im Fachjargon. Es soll ein »Warm Handover« erleichtern. Doch nur langsam tut sich wirklich etwas in der Richtung. Jede Menge Aufklärungsarbeit, etwa bei medizinischen oder auch gesundheitspolitischen Fach-Workshops, ist somit weiterhin dringend notwendig.



