ADHS und Diabetes – eine unterschätzte Kombi

Mehrere Studien weisen auf eine erhöhte ADHS-Prävalenz bei Menschen mit Diabetes hin. Das Problem: Diabetes erschwert eine ADHS-Diagnose zusätzlich. »Hohe oder niedrige Blutzuckerwerte können Aufmerksamkeit und Stimmung beeinflussen; das erschwert die klare Einordnung«, erklärt die Wittener Ärztin Dr. Dörte Hilgard. Konzentrationsprobleme, Reizbarkeit oder emotionale Überforderung würden nicht selten automatisch der Zuckerkrankheit zugeschrieben.» Wichtig ist deshalb eine sorgfältige Diagnostik, die sowohl die Diabeteserkrankung als auch neuropsychologische Aspekte berücksichtigt.«

Erschwert ADHS die Diabetesbehandlung?

Der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD) betont, dass ADHS eine konsequente und damit zielführende Diabetestherapie gefährden könne: »Zwischen dem Vorsatz, etwas zu tun, und der tatsächlichen Handlung kommt es bei Personen mit ADHS oft zu Unterbrechungen«, erklärt Yvonne Häusler, Diabetesberaterin am Jüdischen Krankenhaus Berlin und Vorstandsmitglied des VDBD. »Das kann bedeuten, dass Betroffene den Blutzucker eigentlich messen wollen, es dann aber schlicht vergessen.« Und wenn sie nichts von ihrer ADHS wissen, können sie natürlich auch nicht bewusst gegensteuern. Daher spiele eine strukturierte Diabetesberatung eine zentrale Rolle: »Wir empfehlen, bei einer auffällig schlechten Therapietreue gezielt nach Aufmerksamkeits- und Organisationsproblemen zu fragen«, sagt Häusler.

Führt ADHS also zu Diabetes?

Nein, ADHS führt nicht zwingend zu Diabetes. Aber: »Diabetes und ADHS lassen sich nicht getrennt voneinander betrachten«, betont Hilgard. »Beide Erkrankungen beeinflussen sich gegenseitig – medizinisch und im Alltag.« Warum genau das so ist, ist nicht eindeutig geklärt. Eine Theorie lautet: »Typische« ADHS-Faktoren wie Impulsivität, Stress, Schlafprobleme und Schwierigkeiten mit Routinen erhöhen das Risiko für ungesunde Verhaltensweisen, also auch für eine nicht ausgewogene Ernährung, was wiederum Diabetes auslösen kann. Das erhöhte Suchtrisiko durch die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung könnte ebenfalls eine Rolle spielen.


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