Dass ADHS überwiegend genetisch bedingt ist, gilt schon lange als gesicherte wissenschaftliche Tatsache. Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Universität Aarhus, Dänemark, konnte dies nun präzisieren. Während die meisten genetischen Varianten einen zwar nachweisbaren, aber vergleichsweise geringen Einfluss haben, sind demnach Normabweichungen in den Genen MAP1A, ANO8 und ANK2 gravierend. Die ADHS-Wahrscheinlichkeit erhöhe sich dadurch auf das bis zu rund 15-Fache, heißt es in der Studie, die unter dem Titel »Rare genetic variants confer a high risk of ADHD and implicate neuronal biology« in der renommierten Fachzeitschrift »Nature« veröffentlicht wurde.
Führen genetische Veränderungen also zu ADHS?
Die identifizierten Veränderungen sind zwar extrem selten, dafür aber umso folgenschwerer. Denn sie stören bereits im Mutterleib die Entwicklung und Kommunikation zwischen den Nervenzellen. Betroffen sind Zelltypen, die für Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Motivation essenziell sind. »Unsere Ergebnisse unterstützen die Annahme, dass Störungen der Gehirnentwicklung und -funktion zentral für die Entstehung von ADHS sind«, erklärt Dr. Ditte Demontis, Professorin am Department of Biomedicine der Universität Aarhus und Erstautorin der Studie. Man habe anhand der genetischen Daten von 63.000 Menschen, fast 9.000 davon mit ADHS, analysiert, »welche Proteine mit den Proteinen interagieren, die von den drei identifizierten ADHS-Genen kodiert werden«, und auf diese Weise ein größeres Netzwerk von Proteinen gefunden, das auch bei anderen neurologischen Entwicklungsstörungen wie Autismus und Schizophrenie eine Rolle spiele. »Das liefert Einblicke in biologische Zusammenhänge über mehrere psychiatrische Diagnosen hinweg«, erläutert Demontis. Das Forschungsteam ist zuversichtlich, dass die Erkenntnisse langfristig zu ganz neuen Behandlungsansätzen führen werden.
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