Wissenschaftlich belegt: ADHS macht kreativ!

Wenn die Gedanken Karussell fahren, kann das ziemlich anstrengend sein. Menschen mit ADHS wissen das nur zu gut. Für manche ein Trost: Die »Störung« macht sie kreativer als andere. Dass hier ein Zusammenhang besteht, liegt schon allein deshalb nahe, weil überdurchschnittlich viele Betroffene künstlerische Berufe ergreifen. Und es klingt ja auch irgendwie logisch: Wenn die Gedanken ständig auf Wanderschaft sind, stoßen sie geradezu zwangsläufig irgendwann auf Lösungsansätze, die auf den ersten Blick unsinnig zu sein scheinen, letztlich aber eben besonders kreativ sind. Nur: Bislang fehlte der wissenschaftliche Beweis, dass das wirklich so ist!

Welchen Zusammenhang zwischen ADHS und Kreativität gibt es?

Dr. Han Fang vom Radboud University Medical Centre im niederländischen Nimwegen analysierte im Rahmen ihrer Studie »Mind wandering as a mediator in the link between ADHD and creativity«, welche Lösungsansätze Menschen mit und ohne ADHS für bestimmte Problemstellungen entwickeln und wie zahlreich diese sind. Das Ergebnis: Die ADHSler unter den 750 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die dazu ihre Gedanken nunmehr ganz bewusst schweifen ließen – die also sozusagen absichtlich tagträumten –, waren insgesamt kreativer als neurotypische Menschen, die das versuchten. Fang betont zudem, »dass Personen mit ausgeprägteren ADHS-Merkmalen höhere kreative Leistungen erzielten«. Sprich: Sie entwickelten mehr »ungewöhnliche« Strategien. Auch Hannah Maisano, Doktorandin an der Drexel University in Philadelphia, bestätigt in ihrer Studie »ADHD symptom magnitude predicts creative problem-solving performance and insight versus analysis solving modes, »dass ausgeprägte ADHS-Symptome mit Problemlösungsfähigkeiten einhergehen, die auf kreativen Einsichten beruhen«.

Sind Menschen mit ADHS umso kreativer, je stärker ihre Symptome sind?

Anscheinend hängt also der Grad der Kreativität direkt mit der Schwere der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung zusammen – dies allerdings in einer Weise, die durchaus überrascht. ADHS-Forscherin Hannah Maisano weist jedenfalls auf ein interessantes Detail hin: Die Probanden in ihrer Studie mit sehr schwachen Symptomen lösten nämlich ebenfalls überdurchschnittlich viele Probleme auf kreative Weise, »durchschnittliche« ADHSler indes »profitierten« überhaupt nicht von ihrer Neurodivergenz.


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