Gibt es bei ADHS charakteristische Gehirnmuster? Und wenn ja: Können sie so beeinflusst werden, dass sich zum Beispiel Aufmerksamkeit und Impulskontrolle verbessern? Dr. Ornella Dakwar-Kawar von der Hebrew University in Jerusalem hält das für möglich. Mit ihrem Forschungsteam identifizierte sie im EEG von Kindern mit ADHS eine sogenannte aperiodische Aktivität bei bestimmten Gehirnsignalen, durch die sie mit hoher Treffsicherheit zwischen neurotypischen und neurodivergenten Menschen unterscheiden konnte. Mit anderen neuronalen Markern war etwas Vergleichbares bislang nicht gelungen. Der Clou: Mit gezielter Stimulation der betroffenen Hirnregionen konnten die auffälligen Signale sogar reduziert und auf diese Weise die Konzentration der Sechs- bis Zwölfjährigen nachhaltig erhöht werden; der Effekt hielt bis zu drei Wochen nach der letzten »Transcranial random noise stimulation« (tRNS) an!
ADHS-Symptome ohne Medikamente behandeln?
Neurowissenschaftlerin Dakwar-Kawar kann sich vorstellen, dass sich aus dem tRNS-Ansatz ihrer aktuellen Studie langfristig ein neuer Therapieansatz gegen typische ADHS-Symptome ganz ohne Medikamente entwickelt. Denn die Ergebnisse seien äußerst vielversprechend. Bis dahin sei es allerdings noch ein weiter Weg. Denn die Stichprobe war noch recht klein. Und ob auch betroffene Erwachsene mit mutmaßlich schwerer zu stimulierenden Hirnarealen davon profitieren können, ist nicht bekannt.
Was ist tRNS?
Transcranial random noise stimulation (tRNS) ist nicht-invasiv und schmerzfrei. Zwar fließt dabei Strom. Aber mit Elektroschocks hat das Ganze nichts zu tun. Denn die Stromstärke ist extrem gering. Sie erzeugt meist nur ein leichtes Kribbeln auf der Kopfhaut, selten leichte Kopfschmerzen.



