Kleine, per App buchbare Shuttles statt überfüllter Linienbusse und ständigem Umsteigen: On-Demand-Verkehr ist im Kommen. Damit gemeint sind zum Beispiel Minibusse, die je nach Bedarf flexible Routen ohne festen Fahrplan bedienen – also nur, wenn sie zuvor per App angefordert worden sind. Das macht sie fast so komfortabel wie ein Taxi, im Idealfall aber deutlich günstiger. Erwachsene mit ADHS können sehr von diesem Konzept profitieren. Denn für sie bedeutet der »normale« öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) oft nicht nur Fahrplan- und Tarifwirrwarr, sondern vor allem: zu viele Menschen auf engstem Raum, laute Geräusche und grelles oder flackerndes Licht. Klar, neurotypische Fahrgäste nervt das alles ebenso, bei Menschen mit ADHS kann dies aber zu Reizüberflutung, innerer Unruhe, Stress und nicht selten auch zu Vermeidungsverhalten führen.
Was sind die Vorteile gegenüber dem klassischen ÖPNV?
On-Demand-Verkehr indes bedeutet
- weniger Menschenmengen,
- weniger sozialer Druck,
- weniger Umstiegschaos,
- mehr Vorhersehbarkeit,
- mehr Kontrolle und
- mehr Selbstständigkeit.
Ein Verkehrssystem, das Reize reduziert und Abläufe vereinfacht, kann für Menschen mit ADHS also ein echter Gamechanger sein.
Wie muss ein ADHS-freundliches Transportmittel aussehen?
Konkrete »Zutaten« sind indirektes, warmes, nicht flackerndes Licht und möglichst wenig unnötige Geräusche, ruhige Farben statt »smarter« Effekte, klare, reduzierte Informationen statt Reizüberfrachtung – und Sauberkeit. So lassen sich zentrale Ergebnisse aus den Experteninterviews und problemzentrierten Gesprächen mit Betroffenen zusammenfassen, die Teresa Terpitz für ihre Bachelorarbeit an der Hochschule Karlsruhe geführt hat. »Dass Hygiene auftauchte, war unerwartet«, erläutert sie. »Die Befragten legten jedoch großen Wert darauf.« Was andere vielleicht schlichtweg als Komfort bezeichnen würden, als ein Nice-to-have, ist für Menschen mit ADHS – und anderen Neurodivergenzen wie Autismus – ein Muss: Es kann darüber entscheiden, ob für sie eine Fahrt überhaupt machbar ist. Barrierefreiheit beginnt also bei Licht, Lärm, Struktur und Reizregulation.
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